Lage am Nord-Ostsee-Kanal entspannt sich nur kurzfristig

Nur kurz konnten sich die Nutzer von Deutschlands wichtigster künstlicher Wasserstraße, dem Nord-Ostsee-Kanal, über eine Entspannung der Situation freuen. Bereits Anfang des Jahres geriet der Nord-Ostsee-Kanal in die Negativ-Schlagzeilen, weil die Schleusentore in Brunsbüttel als marode eingeschätzt wurden und diese tagelang geschlossen blieben.

Im Vorfeld der Reparaturarbeiten am Nord-Ostsee-Kanal wurden nun an der Nordschleuse erste Arbeiten ausgeführt. Nach dem erfolgreichen Abschluss ist der Nord-Ostsee-Kanal somit für kleine Frachtschiffe und Sportboote befahrbar. Ab Mitte August sollen die großen Schleusen nun repariert werden, am Nord-Ostsee-Kanal wird es somit bis Mitte November zu Beeinträchtigungen kommen. In Kiel beginnt zu diesem Zeitpunkt das Auswechseln der rund 80 Meter langen Schienen an den Toren. Diese sollen bis zum 3. Oktober beendet sein. Danach beginnen die Arbeiten an den Schleusentoren der Südkammer. Hier sollen die Arbeiten am 11. November beendet sein. Während der Zeit der Reparaturarbeiten soll stets mindestens eine der kleinen Schleusen am Nord-Ostsee-Kanal einsatzbereit sein, um so den Schiffsverkehr trotz der notwendigen Reparaturmaßnahmen aufrecht zu erhalten.

Anfang August hatte die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di die knapp 150 Beschäftigten der Wasser- und Schifffahrtsämter Brunsbüttel und Tönning zum Streik aufgerufen. Damit wurde der Schiffsverkehr am Nord-Ostsee-Kanal weiter beeinträchtigt. Ver.di möchte mit der Streikaktion am Nord-Ostsee-Kanal auf die geplante Reform der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung aufmerksam machen, die das Bundesverkehrsministerium initiiert hat. Nach Angaben der Gewerkschaft stehen die Jobs von rund 3000 Mitarbeiter auf dem Spiel. Darunter sind auch Beschäftigte, die den Betrieb am Nord-Ostsee-Kanal aufrecht erhalten. Ver.di möchte Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer, in dessen Ministerium die Reform erdacht wurde, an den Diskussionstisch zwingen.

Nord-Ostsee-Kanal

Auch für die kommenden Tage und Wochen wird Ver.di die Aktionen am Nord-Ostsee-Kanal weiterführen, die Kritik daran aufgrund der derzeitigen speziellen Situation am Nord-Ostsee-Kanal wächst weiter.

Nicht nur für die Frachtschiffe ist der Nord-Ostsee-Kanal eine wichtige Wasserstraße. Auch für den Kreuzfahrttourismus spielt der Nord-Ostsee-Kanal eine immer wichtigere Rolle. Rund einhundert Kreuzfahrtschiffe passieren den Nord-Ostsee-Kanal jährlich. Auf der rund sechs Stunden langen Passage zwischen Nord- und Ostsee bekommen die Passagiere einzigartige Eindrücke an Bord des Schiffes. Und auch die Menschen, die den Kreuzfahrtschiffen links und rechts des Ufers am Nord-Ostsee-Kanal sind jedes Mal begeistert, wenn sich die großen “Pötte” durch die schleswig-holsteinische Landschaft bewegen.

Allerdings schwindet bei den Reedereien, die die Kreuzfahrtschiffe betreiben, das Vertrauen in den Betrieb des knapp 100 Kilometer langen und mehr als 100 Jahre alten Nord-Ostsee-Kanal. Sie schicken ihre Schiffe aufgrund der unsicheren Situation bezüglich der Reparaturarbeiten sowie der Streiksituation derzeit lieber um das Skagerrak. So passierte vor Kurzem die AIDAcara den Nord-Ostsee-Kanal nicht und nahm den längeren Weg über die Nord- und Ostsee. Und auch die Azamara Quest der Reederei Azamara Club Cruises mit Heimathafen in Valetta (Malta) änderte die Reiseroute und strich den Nord-Ostsee-Kanal aus dem Programm.

Es besteht durchaus die Gefahr für den Nord-Ostsee-Kanal, dass die Schiffe weiterhin den Umweg über das Skagerrak nehmen und dem Bund damit, als Eigner des Nord-Ostsee-Kanal, wichtige Einnahmen verloren gehen. Bislang bringt der Nord-Ostsee-Kanal der Bundesrepublik Deutschland Einnahmen von rund 25 Millionen Euro jährlich. Geld, dass das Land nötig hat.

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